Die Maya sind ein indigenes Volk bzw. eine Gruppe indigener Völker in Mittelamerika, die insbesondere aufgrund der von ihnen im Präkolumbischen Mesoamerika gegründeten Reiche und ihrer hoch entwickelten Kultur bekannt sind.

 

In ihrer Blütezeit stellten sie eine mächtige Hochkultur dar. Man spricht zumeist von einer Maya-Kultur; tatsächlich gibt es auch viele Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Fundstellen aus der Vergangenheit – doch stehen hinter dieser Kultur verschiedene Völker miteinander mehr oder weniger eng verwandten Maya-Sprachen. Nicht nur wegen der räumlichen Gegebenheiten unterscheidet man traditionell zwischen Hochland- (in Chiapas und Guatemala) und Tieflandmaya (in Yucatán, im Petén und Belize). Im Lauf der Geschichte lässt sich eine Verschiebung der hochkulturellen Zentren vom Hochland ins Tiefland und dann in den Norden von Yucatán beobachten.

Zur Zeit der Ankunft der Spanier Ende des 15. Jahrhunderts lagen die Zentren der nachklassischen Maya-Kultur im äußersten Norden von Yucatán, während das zentrale Tiefland nur noch dünn besiedelt war. Im südwestlichen Hochland existierte zu diesem Zeitpunkt eine recht eigenständige Maya-Kultur: die Kultur der Quiché. Im Gegensatz zu vielen anderen indigenen Völkern existieren die Maya noch heute und leben auf der Yucatán-Halbinsel sowie in Belize, Guatemala und Honduras.

Berühmt sind die Maya für den Anbau von Mais, ihre Mathematik und für ihren hoch entwickelten Kalender, geschrieben in Hieroglyphen. Die mittlerweile weitgehend entzifferte Schrift war, obwohl auf Bildsymbolen basierend, mehr als eine reine Ideogrammschrift und war bis zur Ankunft der Spanier das einzige Schriftmedium in Amerika. Kunsthandwerk (Bearbeitung von Stein, Keramik, Holz, Textilien) und Malerei waren hoch entwickelt, Metallverarbeitung (Gold, Silber, Kupfer) spielte erst spät und fast nur für rituelle Zwecke eine Rolle, nicht für die Werkzeugherstellung. In den Städten gab es bis zu 75 m hohe Stufenpyramiden, Paläste, Observatorien und Ballspielplätze.

Geographie 

Traditionelles Siedlungsgebiet

Die Maya lebten in Süd- und Südost-Mexiko (Yucatán) sowie in Teilen von Guatemala, Honduras und Belize. Dieses ausgedehnte Gebiet umfasste ungefähr 350.000 km². Im Norden des damaligen Mayalandes ragt die Halbinsel Yucatán weit ins Karibische Meer hinaus. Die Niederschlagsmenge in diesem Gebiet war stets extrem gering, dazu ungleich verteilt, die Region war daher weitestgehend versteppt und mit Dornbüschen bewachsen. Im südlichen Tiefland herrschte eine Savannenlandschaft vor, deren Bodenhöhe kaum einmal über 200 Metern liegt. Da die Gegend schon immer tektonisch sehr aktiv war, ist ihr Boden mit vielen Mineralien angereichert, wodurch sie für den Ackerbau sehr attraktiv wurde.

Geschichte 

Frühe Präklassik (ca. 3000–900 v. Chr.) 

In der frühen Vorklassik kommt es am Ende der Archaischen Periode zu ersten dauerhaften Siedlungen und zur Entwicklung von Landwirtschaft im Mayagebiet. Erste den Maya zugerechnete archäologische Funde aus Cuello (Belize) werden auf etwa 2000 v. Chr. datiert. Von diesem Ursprungsort aus wird eine Aufspaltung und Bewegung nach Norden (Golf von Mexiko) angenommen. In Copán (Honduras) siedelten Jäger um ca. 1100 v. Chr. Ebenfalls in der Frühen Vorklassik wurde Lamanai gegründet, das mit einer permanenten Besiedlungszeit von etwa 3000 Jahren zu den am längsten genutzten Mayastädten gehört. Ca. 1000 v. Chr. wurde Cahal Pech besiedelt und blieb es bis ca. 700 n. Chr.

Mittlere Präklassik (ca. 900–400 v. Chr.) 

Tikal

In der mittleren Vorklassik kommt es zur durchgehenden Besiedlung im gesamten Mayagebiet und zur Entwicklung von Handel zwischen den Städten. Etwa im 7. Jh. v. Chr. finden sich die ersten Siedlungsspuren im Gebiet von Tikal in Guatemala. Am Golf von Mexiko lassen sich etwa 500 v. Chr. erstmals Siedlungsbauten und steinerne Tempel nachweisen. Zu den ersten großen Städten der Maya gehören El Mirador mit der höchsten bekannten Maya-Pyramide (72 m) und Nakbe im heutigen Guatemala, von denen letztere ihre Glanzzeit zwischen 800 und 400 v. Chr. hatte.

Späte Präklassik (ca. 400 v. Chr. – 250 n. Chr.)

In der späten Vorklassik entstehen durch starkes Bevölkerungswachstum große Mayazentren und es kommt zur Bildung von Herrschereliten.

Frühe Klassik (ca. 250–600 n. Chr.) 

Palenque

In Tikal findet sich die erste datierte Maya-Stele von 292 n. Chr. Im Jahr 562 kommt es zu einem großen Krieg zwischen Calakmul und Tikal. Chichén Itzá wurde um das Jahr 650 gegründet.

Späte Klassik (ca. 600–900 n. Chr.)

Die klassische Maya-Zivilisation umfasste eine Reihe von Stadtstaaten, die jeweils einen eigenen Herrscher und ihm untergebene Verwalter hatte. Mit der Ausbreitung über die ganze Yucatán-Halbinsel erreichte die Hochkultur der Maya ihre Blütezeit, während deren auch Uxmal und Cobá gegründet wurden. Weitere wichtige Städte waren Tikal, Calakmul, Bonampak und Quiriguá. Viele Städte waren durch Dammstraßen (Sakbe) miteinander verbunden. Die Städte hatten teilweise mehr als 10.000 Einwohner und waren damit größer als die größten Städte des damaligen Mitteleuropa.

Zu den Maya-Zentren der Klassik gehören unter anderen Bonampak, Calakmul, Caracol, Xunantunich, Lubaantun, Copán, Dos Pilas, Nakum, Naranjo, Palenque, Piedras Negras, Rio Azul, Tikal, Yaxchilán oder Yaxha. Funde aus der Spätklassik wie auch der Zeit seit der Späten Präklassik wurden in der Höhle Actun Tunichil Muknal in Belize gemacht, in der neben Skelettresten auch Keramiken und Steinzeug gefunden wurden.

Der Kollaps der Maya-Zentren im zentralen Tiefland 

Vasenmalerei, Maya-Fürst auf Jaguarfell thronend, 700-800 n. Chr.

Bereits im 9. Jahrhundert kommt es zur Aufgabe einzelner Maya-Zentren im südlichen Tiefland und in der Folgezeit zu einem rapiden Bevölkerungsverlust in der gesamten Zentralregion Yukatans. Zahlreiche Städte werden verlassen, die Bewässerungssysteme verfallen. Nach der Mitte des 10. Jahrhunderts werden im gesamten Tiefland keine monumentalen Steinstelen mehr errichtet. Der Zusammenbruch der Maya-Gesellschaft ist Gegenstand einer breiten und langanhaltenden Forschungsdiskussion. Dabei lassen sich zwei Hauptansätze unterscheiden: Ökologische und Nicht-Ökologische Erklärungsmodelle.

Die ökologischen Erklärungsmodelle konzentrieren sich auf das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt. Während der späten klassischen Periode scheint sich dieses Verhältnis deutlich verschlechtert zu haben; einer stark gewachsenen Bevölkerung steht eine begrenzte Ackerbaufläche mit z. T. nur geringwertigen Böden gegenüber, die – trotz Bewässerung – offenbar hauptsächlich im traditionellen und flächenintensiven Milpa-System bearbeitet wird. Aufgrund dieser Beobachtungen formulierte O. F. Cook im Jahre 1921 seine Hypothese der Bodenverarmung.
Die nicht-ökologischen Erklärungsmodelle umfassen Erklärungsansätze der unterschiedlichsten Art, wie Invasionen, Katastrophen, Epidemien und Klimaveränderungen. Archäologische Belege für das Eindringen der Tolteken in Nordyukatan (Seibal) scheinen die Invasions-Hypothese zu stützen. Die Mehrzahl der Maya-Forscher bezweifelt jedoch, dass eine Eroberung als Hauptgrund für den flächendeckenden gesellschaftlichen Zusammenbruch im Tiefland infrage kommt. Die Vermutung, dass Klimaschwankungen und insbesondere Dürren für den Untergang der Hochkultur verantwortlich gewesen seien, hat durch den Nachweis verminderter Niederschläge im 9. und 10. Jh. in Venezuela unter Leitung des Geologen Gerald Haug im Jahre 2003 Auftrieb erhalten.  Als ein weiterer Grund für den Zusammenbruch der klassischen Maya-Gesellschaft im zentralen Tiefland wird das Ende der Metropole Teotihuacán in Zentralmexiko diskutiert, welches angeblich ein außerordentliches Machtvakuum hinterließ, das sich bis nach Yucatán hin auswirkte und von den rivalisierenden Stadtstaaten der Maya nicht ausgefüllt werden konnte. Dagegen spricht jedoch, dass der Untergang Teotihuacáns mittlerweile eher in das 6./7. Jahrhundert datiert wird, also noch vor der kulturellen und machtpolitischen Hochblüte der klassischen Maya im 8. Jahrhundert stattgefunden hat.[3] Wahrscheinlich lässt sich mit dem Niedergang der zentralmexikanischen Metropole eher die Schwächephase in der Geschichte Tikals erklären, nicht jedoch der Kollaps der Maya im 9. Jahrhundert.

Nachklassische Zeit / Postklassik (ca. 900–1511) 

Pyramide in Chichén Itzá; deutlich ist der Stilunterschied zu den Maya-Pyramiden der klassischen Zeit zu erkennen, vgl. Bild „Tikal“ oben

In der Architektur der Maya kamen nun vermehrt toltekische Einflüsse auf. Zu den Maya-Zentren der Postklassik gehören unter anderen Cobá, Chichén Itzá, Ek Balam, Mayapán, Tulúm und Uxmal.

Spanische Kolonialzeit 

Conquista (1511–1697) 

1511 landeten 13 spanische Schiffbrüchige auf Yucatán. Als der Konquistador Hernán Cortés 1519 auf Yucatán ankam, lebten nur noch zwei von ihnen. Einer der Überlebenden, Gerónimo de Aguilar, zog mit Cortés weiter nach Mexiko und half ihm als Übersetzer.[5] Der andere Überlebende, Gonzalo Guerrero, wollte weiter mit den Maya leben und kämpfte später mit ihnen gegen die Spanier. 1527 zog ein Veteran von Cortes Truppen, Francisco de Montejo, mit 400 Männern nach Yucatán, um es zu unterwerfen. Zuerst bekam er sogar Unterstützung von der indigenen Bevölkerung, doch als sie seine Absichten erkannten, bekämpften sie ihn. Auch Krankheiten und Unterernährung machten ihnen zu schaffen, teilweise mussten sie Felder der Maya plündern. Schließlich trat Francisco de Montejo das Kommando an einen seiner Untergebenen, Alonso Davila, ab, welcher ebenfalls ein Veteran aus Cortes Truppe war. Dieser konnte sich jedoch nicht gegen die Maya wehren und rettete sich mit den letzten Überlebenden nach Honduras. Inzwischen versuchte der Sohn von Fracisco de Montejo, welcher ebenso hieß, von Westen her Yucatán zu erobern. 1532 erdachte er den Plan, tief in Zentralyucatán eine Stadt zu errichten, welchen er auch mit der Stadt Ciudad Real umsetzte. Die angrenzenden Maya zogen jedoch einen Belagerungsring um die Stadt und die 200 Spanier mussten auf Grund von Nahrungsmangel fliehen. Die Nachricht von Francisco Pizarros Eroberung Perus und die großen Goldfunde dort ereilte die Expedition, und trotz großer Strafandrohung desertierten viele Männer nach Peru. Nun gingen die Spanier diplomatischer vor, die Provinz Mani wurde friedlich unter spanische Herrschaft gebracht, die Maya stellten sogar Hilfstruppen zur Verfügung, vermutlich um auf diese Weise Rache an den Kokom zu nehmen, welche im Krieg mit ihnen lagen. Der Plan der Spanier war jetzt, 3 Städte in Yucatán zu errichten, welcher ihnen auch 1544 durch die Gründung von Merida, Valladolid und Salamanca de Bacalar gelang. Es wurde entschieden, dass das Land von Mexiko aus verwaltet werden sollte. Schließlich wurden Versuche unternommen, die Maya zu christianisieren, unter anderem durch den Mönch Diego de Landa. Berühmtheit erlangte Diego de Landa, als er mit harter Hand gegen die Maya vorgehen ließ, die sich nicht zum christlichen Glauben bekehren und anstatt dessen an ihren religiösen Ritualen festhalten wollten. Dies gipfelte in einem Urteil, das am 12. Juli 1561 abgehalten wurde und bei dem de Landa aufgrund seines religiösen Eifers vor dem Franziskanerkloster in Mani alles in Maya Geschriebene sowie die religiösen Figuren und Symbole der Mayas verbrennen ließ, was zur Folge hatte, dass uns heute nur noch Teile von vier Maya-Codices erhalten geblieben sind und noch heute einen kleinen Einblick in die Vergangenheit der Maya geben. In seinem Werk „Relacion de las cosas de Yucatan“ schildert de Landa die Geschehnisse von Mani. Später wurde er in Spanien dafür angeklagt. Am Ende der Eroberung waren die Spanier nur mehr nominell Herrscher über das Mayagebiet, in Wirklichkeit jedoch waren ganze Landstriche aufgrund von Kriegen und vor allem Seuchen entvölkert.

Die Maya in Mexiko, Guatemala und Belize

Ungefährer Machtbereich der zeitweise unabhängigen Maya um 1870

Ab 1847 rebellierten die Nachkommen der Maya im so genannten Kastenkrieg gegen die Autorität des mexikanischen Staates und bauten um den 1850 errichteten Tempel des Sprechenden Kreuzes ihre Hauptstadt Chan Santa Cruz, die erst 1901 von der mexikanischen Armee erobert werden konnte.

Die Maya heute 

Heute leben zirka 6,1 Millionen Maya auf der Yucatán-Halbinsel sowie in Belize, Guatemala und Honduras. In Guatemala zählen etwa 40 % der Gesamtbevölkerung zu den Maya – in Belize sind es rund 10 %. Auch heute noch leben die meisten Maya vom Maisanbau. Die heutige Mayareligion ist eine Mischung aus Christentum und alten Maya-Traditionen. Jede Maya-Gemeinde hat ihre eigenen religiösen und weltlichen Oberhäupter. Opfergaben von Hühnern, Gewürzen oder Kerzen sind üblich. Die einzelnen Mayagruppen identifizieren sich über besondere Elemente ihrer traditionellen Kleidung, in der sie sich jeweils von anderen Maya-Gruppen unterscheiden.

Als noch sehr traditionell lebende Gruppe wurden die Lacandon-Maya in Chiapas bekannt. Sie tragen z. T. noch die weiße Baumwollkleidung, die aus alten Abbildungen bekannt ist, und auch das Christentum hatte bei ihnen bis vor kurzem allenfalls sehr oberflächlich Einzug gehalten. Durch Tourismus und die Mission evangelikaler Gruppen ist allerdings auch die Lakandonen-Gesellschaft dabei, sich stark zu verändern. Allgemein hält trotz des Festhaltens an mancherlei Traditionen der technische und wirtschaftliche Fortschritt bei den Maya Einzug. Immer mehr von ihnen tragen moderne Kleidung, haben Strom, Radios oder auch Fernsehen und in den Maya-Dörfern gibt es bereits das eine oder andere Auto. Manche Maya leben inzwischen auch vom Tourismus, da immer mehr Besucher die Welt der Maya und die alten Bauwerke kennenlernen wollen.

Eine besondere Situation besteht bei den von den Zapatistas kontrollierten Dörfern der Maya im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, die in den letzten Jahren eine weitgehende Autonomie gewonnen haben und sich selbst verwalten.

Religion der Maya 

Hauptartikel: Götter der Maya

Gottkönigsstädte im Regenwald

Auffällig an den Ruinenstätten der Maya-Kultur ist das Vorherrschen religiöser Bauten. Die Religion überhaupt und ihre Funktionäre (Priester u. a.) scheinen im Leben der klassischen Maya eine herausragende Rolle gespielt zu haben. In klassischer Zeit werden die Stadtstaaten zumeist von Königen geleitet, die die höchste oder doch zumindest eine sehr wichtige religiöse Funktion innehaben. Darstellungen zeigen allerdings, dass sich gerade auch Herrscher und Führungsschicht der Mayagesellschaft den oft grausam anmutenden religiösen Ritualen unterwerfen mussten.

Zeit und Kosmos 

Ähnlich anderen mesoamerikanischen Völkern glaubten die Maya an einen zyklischen Charakter der Zeit. Die Rituale und Zeremonien waren eng mit den astronomischen und irdischen Zyklen der Natur verbunden. Immer wiederkehrende Vorgänge wurden systematisch beobachtet und in verschiedenen Kalendern der Maya verzeichnet. Die Aufgabe der Maya-Priester lag darin, die Zyklen zu interpretieren, was insbesondere dadurch geschah, dass verschiedene Zyklen (Kalendermessungen) aufeinander numerisch bezogen wurden.

Nach populären Büchern von José Argüelles und Adrian Gilbert u.a. wird in esoterischen Kreisen für den 21. Dezember 2012 (oder 28. Oktober 2011 [8]) über einen Bewusstseinsprung oder einen Weltuntergang z.B. durch eine riesige, alles verschlingende Überschwemmung am Ende des Baktun Zyklus diskutiert (siehe Mayanismus). Der Baktun-Zyklus (die lange Zählung) ist jedoch nur ein zyklischer Zeitraum unter mehreren. Enden die kürzeren Zyklen, so springt die Zählung entsprechend weiter.

Die Erforschung der Mythologie der Maya kann sich nur auf die Interpretation sehr weniger Quellen stützen und ist Gegenstand anhaltender wissenschaftlicher Debatten. Gesichert scheint jedoch, dass die Maya sich den Kosmos in (mindestens) drei Ebenen gegliedert vorstellten, nämlich Unterwelt, Erde und Himmel.

Götter und Opfer

Wie bei anderen Kulturen Mittelamerikas spielt auch bei den Maya das menschliche Blut eine besondere Rolle. Hochgestellte Persönlichkeiten gewannen das Blut z. B., indem sie sich dornige Fäden durch Lippe oder Zunge zogen oder auch den Penis mit Seeigelstacheln anstachen. Die Schmerzhaftigkeit dieser Praxis war offenbar für ihren religiösen Wert von großer Bedeutung. Abbildungen aus klassischer Zeit verbinden das dargestellte Blutopfer zudem oft mit der Darstellung einer sogenannten Visionsschlange. Ob dies ein Hinweis darauf ist, dass der Blutverlust zu religiösen Eingebungen führte, ist bis heute ungeklärt. Aus Sicht der Maya war das Blut Sitz der Seele und Lebenskraft, die Seele selbst stellte man sich jedoch luft- oder rauchförmig vor (Atemseele). Daher fing man das gewonnene Blut durch Papierstreifen auf, die man anschließend verbrannte. Die Maya-Religion war polytheistisch, wobei die Götter der Maya analog den Menschen als sterbliche Wesen vorgestellt wurden. Wie bei den Azteken und anderen mittelamerikanischen Religionen auch, diente das Opfer daher auch nicht allein dazu, die Götter gewogen zu machen, sondern auch, um die Götter in gewisser Weise am Leben zu erhalten. So wird die durchaus übliche Darstellungsweise in der Maya-Kunst verständlich, die uns Könige zeigt, welche einen Gott als Säugling im Arm tragen. Gleichwohl wurden die Götter zugleich als Wesen vorgestellt, die uralt sein konnten.

Cenote in Chichen Itza, neben zahlreichen Opfergaben barg man vom Grund dieses Cenotes über fünfzig Skelette

In der Religion der Maya waren Menschenopfer durchaus üblich. Die Art der rituellen Hinrichtungen reichte von Köpfen, Ertränken (z. B. in Cenotes), Erhängen, Steinigen, Vergiften, Verstümmeln bis hin zu lebendig begraben. Zu den grausamsten Tötungsarten gehörte wie bei den Azteken das Aufschlitzen des Bauches und das Herausreißen des noch schlagenden Herzens. Letzteres ist vor allem für die Postklassik indirekt (über Kultgegenstände, siehe chakmol) belegbar. Geopfert wurden sowohl Kriegsgefangene als auch Mitglieder der eigenen Gruppe, auch aus der Oberschicht. Die Bedingungen, wer wann, wie und wo geopfert wurde, werden zur Zeit noch erforscht. Sicher – und durch Darstellungen gut belegt – ist die Tötung von Kriegsgefangenen im größeren Maßstab, vielleicht aus der Oberschicht des gegnerischen Staates. Ob die Maya jedoch wie die Azteken Kriege nur zur Gewinnung von möglichen Menschenopfern geführt haben oder die Könige mit der Opferung ihrer Gegner nur ihre Macht vor den Menschen und ihre Pietät vor den Göttern belegen wollten, ist noch unklar. Zwar war die Mayakultur sehr kriegerisch, doch ist es unwahrscheinlich, dass die Maya im Umfang der Menschenopferung auch nur annähernd den Azteken gleichkamen. Das frühere Bild jedoch, dass sich die Maya im Gegensatz zu den Azteken durch Friedlichkeit und nur sehr seltene Opferungen auszeichneten, wurde durch neuere Forschungsergebnisse (insbesondere seit die Schrift 1973 teilweise entziffert wurde) deutlich relativiert. Der Unterschied in der Wahrnehmung von Azteken und Maya hat historische Ursachen: Als die Spanier in Mittelamerika eintrafen, wurden sie noch Augenzeugen der aztekischen Religionsausübung, während die klassische Maya-Kultur längst untergegangen war. In den postklassischen Städten im Norden Yukatans hatte sich die Kultur hingegen deutlich verändert. So lässt sich zum Beispiel an den Bauten der heutigen Ruinenstädte aus der Zeit der spanischen Eroberung gut ablesen, dass die Religion offensichtlich nicht mehr die herausragende Rolle spielte wie in der Zeit der Klassik.

Trotz der heute grausam und z. T. abstoßend wirkenden Fremdartigkeit der Maya-Religion sind doch auch viele herausragende kulturelle Leistungen eng mit der Religion der Maya verbunden. Hierzu zählen Kalenderwesen, Schrift und Bauwesen.

Politische und gesellschaftliche Situation der Maya 

Die Maya waren vor allem außenpolitisch stark engagiert, dies war unter anderem dadurch begründet, dass die einzelnen Stadtstaaten ständig untereinander rivalisierten und gleichzeitig die Handelswege zur Versorgung mit Ferngütern kontrollieren mussten. Die politischen Strukturen waren je nach Region, Zeitraum, Einzelvolk und auch nach Stadt unterschiedlich. Neben erblichen Königtümern unter der Herrschaft eines Ajaw (auch weibliche Herrscherinnen sind überliefert), treten oligarchische und aristokratische Herrschaftsformen auf. Bei den Quiché gab es verschiedene Adelsfamilien, die unterschiedliche Aufgaben im Staat wahrnahmen. In der Postklassik Nordyukatans scheint es Städtebünde und kollektive Adelsherrschaften (Liga von Mayapán) gegeben zu haben, die in manchem an die antiken Handelsrepubliken Griechenlands erinnern. Auch demokratische Strukturen sind zumindest auf der unteren gesellschaftlichen Ebene zu beobachten: Die noch heute existierende Tradition, alle drei Jahre einen neuen Bürgermeister, den „Maya-Bürgermeister“, zu wählen, scheint bereits lange zu existieren.

Maya-Kriegswesen

Maya-Stele (Detail)

Die Maya führten häufig untereinander Kriege. Eine Reihe von Historikern sehen darin sogar einen der Hauptfaktoren beim Untergang der klassischen Maya-Kultur. Diese These ist jedoch insofern fragwürdig (und wohl z. T. auch ein Erbe einer pazifistischen Ideologie), als bei den klassischen Maya die Bedeutung des Krieges und die kulturelle Blüte offenbar Jahrhunderte lang Hand in Hand gegangen waren. Beispielsweise kann auch in der klassischen griechischen Kultur die Bedeutung des Krieges kaum überschätzt werden. Allerdings kann eine solche Kriegstradition verheerend wirken, wenn sich die übrigen Bedingungen (Klima, aber auch die Entstehung eines übermächtigen Gegners) ändern. Unter diesen Umständen können ständig ausgeübte Kriege, zwischen im Prinzip weitgehend „gleichen“ Gegnern, den Niedergang aller drastisch beschleunigen. Tatsächlich finden sich eine Reihe von Indizien dafür, dass es in der Zeit des Niedergangs der klassischen Zentren vermehrt zu Kriegshandlungen kam.

Kriegsfunktionen

Die Kriegsausübung hatte bei den Maya vielfältige Funktionen. Sie diente politischen, wirtschaftlichen und auch religiösen Zwecken: Häufiges Ziel war die dynastische Kontrolle über konkurrierende Stadtstaaten, d. h. der Krieg wurde geführt, um eine feindliche Dynastie durch abhängige Herrscher zu ersetzen. In politischer Hinsicht ebenfalls wichtig war die Reputation, die siegreiche Herrscher und teilnehmende Adlige im Krieg gewinnen konnten. In wirtschaftlicher Hinsicht war die Kontrolle des Fernhandels sowie die „Einwerbung“ von Tributen wichtig; daneben wurden wohl auch einige Einwohner besiegter Städte versklavt. In religiöser Hinsicht konnten durch den Krieg Menschenopfer für religiöse Zeremonien gewonnen werden – ob letzteres jedoch ein eigentliches Kriegsziel oder vielmehr ein willkommener Effekt eines Krieges war, ist bisher noch nicht endgültig geklärt. Bemerkenswerterweise wurde Krieg in aller Regel in klassischer Zeit nicht geführt, um eine gegnerische Stadt zu zerstören oder um ein gegnerisches Territorium dem eigenen Territorium in eigentlicher Weise einzuverleiben. Eine besiegte Stadt und ihr Gebiet wurde also nicht eigentlich dauerhaft erobert, sondern über Tribute und ergebene und/oder verwandte Herrscher abhängig gemacht. Folgerichtiger Weise kam es in klassischer Zeit auch nicht zur Ausbildung von territorial bestimmten größeren Königreichen. Vielmehr begnügten sich mächtige Herrscher mit dem Titel eines „Oberkönigs“ und abhängigen Königen, die auf ihren Herrscherstelen den Hinweis verewigten „König W von Y wurde eingesetzt durch König X von Z“. Ein entscheidender Nachteil des auf persönliche Abhängigkeit zielenden Herrschaftssystems der Maya war freilich, dass die Bindungen zwischen den Städten äußerst fragil waren und so regelmäßig Grund für neue Kriege bestand.

Bewaffnung 

Die Maya-Krieger benutzten Speerschleudern („atlatl“), Blasrohre sowie mit Obsidian-Klingen ausgestattete Schlagwaffen wie Keulen, Speere, Äxte und Messer. Ebenfalls verwendet wurden Pfeil und Bogen. Diese scheinen jedoch in klassischer Zeit keine große Rolle gespielt zu haben, während Abbildungen aus der Zeit der spanischen Eroberung zahlreiche Kämpfe zeigen, in denen Pfeil und Bogen von (den allerdings hier verschanzten) Maya-Kriegern verwendet werden. Während Helme anscheinend wenig benutzt wurden, gebrauchten die Maya aber Schilde aus Holz und Tierhaut und auch aus gewebten Matten.

Formen des Kriegswesens

Farbiges Relief aus Bonampak: Ein König besiegt seinen Gegner. Man beachte die Kopftracht des siegreichen Königs

Über die Formen der Kriegsausübung bei den klassischen Maya ist man auf Mutmaßungen angewiesen. Spanische Darstellungen aus der Zeit der Eroberung zeigen uns zumeist einfach gekleidete Kämpfer im weißen Baumwollkostüm und mit dem typischen Rundschild, während ältere Darstellungen aus klassischer Zeit wie die Wandgemälde von Bonampak auch äußerst aufwändig kostümierte Krieger darstellen. Die aufwändige Kriegstracht – wahrscheinlich militärischen Führern und Spezialisten vorbehalten und vorausgesetzt, sie diente nicht nur der Siegesdarstellung nach dem Kampf, sondern kam wie bei den späteren Azteken auch zum Einsatz – kann man sich am besten veranschaulichen, wenn man sich traditionelle südamerikanische Karnevalskostüme vorstellt. Der Umstand, dass es sicher schwierig war, in solcher Kostümierung zu kämpfen, zeigt schon, dass Form und Funktion des Kampfes bei den Maya z. T. offenbar anders waren als bei vergleichbaren Völkern (vor allem außerhalb Mittelamerikas). Bei den Maya scheint es keine Soldaten („bezahlte Berufskrieger“) – also kein stehendes Heer im eigentlichen Sinn – gegeben zu haben, wahrscheinlich wurden im Kriegsfall wenige militärische Führer aus dem Adel um kurzfristig ausgehobene Bauern ergänzt. Dieses Rekrutierungsverfahren erlaubte es in Zeiten geringer bäuerlicher Arbeitslast, auch sehr große Kampfverbände zusammenzustellen. Da nicht wenige Siege über Könige und ganze Städte überliefert sind, muss die militärische Mobilisierung von Zeit zu Zeit beträchtlich gewesen sein. Andererseits sind die erhaltenen Verteidigungsanlagen (Systeme aus Gräben und Palisaden) der Stadtstaaten bei weitem nicht so ausgebaut, wie man es von anderen Kulturen kennt. In der Zeit der Postklassik hingegen kommt es auch zur Anlage regelrechter Befestigungen. Besonders im südlichen Hochland, das dem Druck der Azteken ausgesetzt war, werden nun Siedlungen vermehrt auf Bergen angelegt und durch massive Steinbauten geschützt.

Krieg wurde offenbar nicht in Formation geführt, sondern es wurde anscheinend (wie weit die spanischen Überlieferungen auch für die klassische Zeit gelten, bleibt zu hinterfragen) ohne ersichtliche Taktik aufeinander gestürmt, um sich gegenseitig zu töten. Dieses Kampfprinzip setzt auf Geschwindigkeit, wer alleine überleben wollte, musste schneller und stärker als sein Gegner sein. Am Ende jeden Krieges, die offenbar fast immer für die Gegner verlustreich waren, wurden die Köpfe der toten Besiegten als Trophäen aufgespießt. Auch überfallartige Kriege wurden anscheinend in der Zeit der Klassik ausgetragen. Dabei entführte man zuerst den feindlichen König und opferte diesen, um im Anschluss die völlig verwirrten Bürger zu attackieren.

Architektur der Maya 

Der Gouverneurspalast in Uxmal. Dass die Maya-Architektur keine weitüberspannten Innenräume kannte, lässt sich gut an diesem repräsentativen Gebäude veranschaulichen. An die Stelle der fehlenden Tiefe des Gebäudes tritt das Prinzip der horizontalen Reihung der in ihrer Funktion historisch nicht endgültig gesicherten Gebäudeteile.

Viele Bauwerke der Maya haben den Kollaps ihrer Kultur als Ruinen überdauert und zählen zu den reichhaltigsten Zeugnissen der präkolumbischen Völker Amerikas. Die heute sichtbaren Überreste bestehen ausschließlich aus Steingebäuden, Bauwerke aus Holz oder Lehm sind aufgrund der Witterung Mittelamerikas im Laufe der Jahrhunderte verrottet und allenfalls als Fundamentspuren erhalten.

Von den Bauten der Maya haben sich vor allem zwei unterschiedliche Grundtypen erhalten: Die in vertikaler Ausrichtung errichteten Pyramiden und die in vorwiegend horizontaler Ausrichtung erbauten Palastanlagen. Die Pyramidenbauten dienten, anders als die Pyramiden der Ägypter, nur selten als Grabmäler, sondern fanden vor allem als Opferstätten eine kultische Verwendung. Auf ihrer Spitze befand sich in der Regel eine Art Plattform, auf der die Opferzeremonien durchgeführt wurden. Die genaue Verwendung der sogenannten Paläste ist dagegen unklarer und nicht vollständig erforscht, ob sie dem Stadtadel oder der religiösen Kaste als Wohnstätten; oder ob sie den Pyramiden gleich rituellen Zwecken dienten, ist nicht gesichert. Neben den Palästen und Pyramiden gab es Mischformen aus beiden Gebäudetypen, zu den weiteren bedeutenden Bauwerken gehören unter anderem Triumphbögen, die steinernen Einfassungen der Ballspielfelder und die Observatorien.

Die Maya erfanden eine Form des Betons und entwickelten einen Schalenbau, in dem doppelte Mauern aus behauenem Stein ausgegossen und verfüllt wurden. Als Baustoff diente vor allem gestampfte Erde, der reichlich vorhandene Naturstein und auch eine Form von Stuck. Der für den Maya-Beton und -Stuck notwendige Kalk wurde in einfachen Schichtöfen gebrannt. Die althergebrachte Stroh- und Lehmhütte bildete in ihren Ausmaßen und ihrer historischen Zweckmäßigkeit den Ausgangspunkt der steinernen Bauwerke. Kennzeichnend für die Maya-Architektur ist das völlige Fehlen von Bögen und echten Gewölben. Diese waren den Maya unbekannt und der Stil ihrer Baukunst ist somit sehr von horizontalen, vertikalen und gewinkelten Linien geprägt. Aus der Verwendung von Kraggewölben ergab sich, dass Innenräume nicht besonders weit überspannt werden konnten und somit relativ klein und eng – ihren Hütten gleich – blieben. Anstelle weniger großer Räume entwickelten die Maya stattdessen häufig eine Reihenfolge zahlreicher kleinerer Räume, die zu sogenannten Kammerpalästen mit ornamentalen Grundriss führten. Da die Maya zudem so gut wie keine Fenster nutzten und Licht lediglich durch die Türöffnungen einfiel, entwickelten sie keine bedeutende Innenarchitektur. Ihre Bauten waren vor allem auf die Außenwirkung konzipiert und die vorwiegend liturgischen Zwecken dienenden Räume waren allenfalls mit Wandteppichen geschmückt, selten wurden auch Spuren von Malereien gefunden.

Pyramide in Palenque mit Hahnenkamm auf dem Dach

Ein weiteres Merkmal der Maya-Architektur ist, dass ältere oder zu klein gewordene Bauten in der Regel nicht abgerissen, sondern bei Bedarf vergrößert und überbaut wurden. So sind im Inneren der Baumasse von vielen Tempeln und Pyramiden die Vorgängerbauten verborgen. Dies gibt der heutigen Wissenschaft die Möglichkeit, die bautechnische Entwicklung der Maya zu entschlüsseln. Stilistisch wiederkehrende Formen sind die mächtigen verzierten Dachgesimse, welche mit ihrem Eigengewicht die Kraggewölbe hielten oder die von den Spaniern so genannten cresteria („Hahnenkämme“), Aufbauten aus komplizierten Steinornamenten zur Bekrönung der Dächer. Vielerorts wurden die Fassaden der Gebäude mit Masken und Tiermotiven dekoriert. Die Maya entwickelten in verschiedenen Regionen des von ihnen bewohnten Gebiets unterschiedliche Baustile und nahmen auch stilistische Einflüsse benachbarter Völker wie den Tolteken auf.

Bemerkenswert ist, dass den Maya, ebenso wie den übrigen Völkern Amerikas (mit Ausnahme der Inkas, die in geringem Umfang Lamas nutzten), keine Lasttiere zur Verfügung standen, und dass das Rad (obwohl prinzipiell bekannt) als mechanisches Hilfsmittel nicht verwendet wurde. Die großen Mengen Baumaterial wurden daher ausschließlich durch Menschenkraft bewegt.

 

Quelle: wikipedia